Das Viator Signet


Siste homo viator!

Getauft, gerufen und gesandt sind wir gemeinsam unterwegs. Jeder Christ ist als Pilger nur Gast und als Fremder (peregrinus) auf dieser Erde. Mit Christus, der Wahrheit und dem Leben, ist uns der Weg zum Vater und in das himmlische Paradies vorgezeichnet. Unsere irdische Pilgerschaft sollte uns nicht nur während einer Pilgerfahrt, sondern jeden Tag bewusst sein. In dieser von hektischem Treiben geprägten Welt und bei dem oberflächlichen Tourismus unserer Tage sollten wir versuchen, dieses Pilgerbewusstsein wach in uns zu halten.

Seit vielen Jahrhunderten suchen Gläubige heilige Stätten der Christenheit auf. Im Mittelalter machten sich die Pilger mit wenig Gepäck auf den meist beschwerlichen und gefährlichen Weg. Sie gingen für Monate oder Jahre fort in der Hoffnung, die Gnadenstätte zu erreichen und gesund in die Heimat zurückzukehren. Der heutige Pilger, der meist nur für kurze Zeit unterwegs ist, trägt äußerlich und innerlich schwere Last. Er sieht anders aus als der mittelalterliche und ist weitaus geringeren Gefahren und Strapazen ausgesetzt, weshalb ihm das Reisen in vielen Punkten erleichtert wird. Das wirkliche Pilgererlebnis, die Erfahrung der göttlichen Gnade dagegen wird in unserer heutigen Zeit immer mehr von Lärm und rastlosem Betrieb erschwert.

Weniger Abenteuer- oder Reiselust und Fernweh lassen den Pilger aufbrechen als die Suche und die Sehnsucht nach dem Ewigen und der Erlösung. Das VIATOR-Pilgerzeichen kündet von diesem Geist, der die Pilger seit jeher zu einer großen Gemeinschaft verbindet.

Möge eine Pilgerfahrt in diesem Sinne dem heutigen Christen ein offenes Auge und Ohr, einen heiteren Sinn, ein gläubiges Herz sowie Freude an der Gemeinschaft von Gleichgesinnten und an Gottes schöner Welt schenken.



Das Viator-Signet und die Würzburger Goldschmiede Amberg


Wallfahrtsplaketten sind seit dem 12. Jahrhundert bezeugt und wurden bis in das 15./16. Jahrhundert getragen. Diese meist kleinen und flachen, oft durchbrochenen Reliefdarstellungen (Gittergüsse) mit Abbildungen der an dem jeweiligen Wallfahrtsort verehrten Heiligen oder der dort bewahrten Heiligtümer wurden an den großen Wallfahrtsorten wie Aachen, Köln, Trier, Rom und Santiago de Compostela hergestellt. Diese Pilgerzeichen wurden von den Pilgerscharen zu Tausenden als Erkennungsplakette (aus Bleizinn, Silber oder Silber vergoldet) und sichtbares Zeichen ihrer vollendeten Pilgerfahrt an der Gnadenstätte erworben. Reliquien gleich wurden die geweihten Pilgerzeichen als wirksame und lebendige Stellvertreter der Heiligtümer des Gnadenortes geachtet.

Anknüpfend an diese jahrhundertealte Tradition wurde mit der Gründung von VIATOR-Reisen im Jahre 1953 das erste VIATOR-Pilger- und Firmenzeichen von Dr. Heinrich Hegener, dem Gründer des Reiseunternehmens und Josef Amberg, dem namhaften Würzburger Goldschmiedemeister, entworfen. Seitdem dient die Plakette als Erkennungszeichen der Pilger. Dem Wunsch zahlreicher VIATOR-Pilger entgegenkommend, die das Pilgerzeichen auch im Alltag als Ausdruck ihrer irdischen Pilgerschaft tragen möchten, bat Reinhold Hegener, heutiger Chef des Familienunternehmens, den Würzburger Goldschmiedemeister Michael Amberg, das VIATOR-Pilgerabzeichen als kleines Schmuckstück in Form einer Anstecknadel und eines Anhängers neu zu gestalten.

Das Ende 1991 erstmals gegossene Reliefbild zeigt einen Jakobspilger, so wie er sich im Mittelalter auf den weiten Weg machte: In seinen langen schweren Mantel (Pelerine) gehüllt, schreitet der Wanderer weit aus. Er trägt einen breitrandigen, vorne hochgeschlagenen Hut, einen Pilgerstab mit angehängter Kürbisflasche (Kalebasse) sowie eine kleine Umhängetasche (Gurde) für die notwendigen Pilgerdokumente und seine wenigen Habseligkeiten. Die von der Pilgerfahrt mitgebrachte Jakobsmuschel steht als Pilgererkennungszeichen und praktisches Utensil zum Essen und Trinken zugleich.

Nicole Hegener